Fettstoffwechsel

Fettstoffwechsel Lebensstilempfehlungen für Menschen mit Hypertriglyzeridämievon Ulrich Laufs, Leipzig  Die Hypertriglyzeridämie ist mit zwei wesentlichen gesundheitlichen Problemen assoziiert. Das Risiko für Atherosklerose und ihre Folgeerkrankungen ist erhöht. Der Effekt ist dosisabhängig bis circa 1.000 mg/dl (11,4 mmol/l) [1]. Dabei sind die triglyzeridreichen (Apolipoprotein-B [ApoB]-haltigen) Lipoproteine für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko verantwortlich. Triglyzeridreiche Lipoproteine enthalten nicht nur Triglyzeride und ApoB, sondern auch Cholesterin (Remnant-Cholesterin, VLDL-Cholesterin), daher ist auch die Serum-Konzentration von VLDL-Cholesterin oder Remnant-Cholesterin mit Atherosklerose assoziiert. Das zweite wesentliche Problem ist das Risiko für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, insbesondere bei sehr hohen Triglyzeridkonzentrationen (meist >1.000 mg/dl; circa 10 mmol/l). Auch bei gering erhöhten Triglyzeridwerten steigt das Pankreatitisrisiko an, ist aber in absoluten Zahlen gering. Grundlage der Behandlung der Hypertriglyzerid­ämie ist eine Lebensstiländerung. Von besonderer Bedeutung ist dabei ein Verzicht auf Alkohol sowie eine deutliche Reduktion der Zufuhr an schnell verstoffwechselbaren Kohlenhydraten (insbesondere auch zuckerhaltige Getränke). Auch die Zufuhr an tierischen Fetten sollte begrenzt werden. Allerdings liegen keine kardiovaskulären Endpunktstudien vor, die den Nutzen von Lebensstilmaßnahmen beweisen [1]. Eine Ernährungsberatung ist sinnvoll. Zusätzlich ist eine Steigerung der körperlichen Aktivität auf 2,5 bis 5 Stunden pro Woche aerobe Belastung mit moderater Intensität zu empfehlen. Bei Patienten mit Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion, bei Patienten mit Diabetes mellitus eine gute Blutzuckereinstellung angestrebt werden.  In der Praxis kann es hilfreich sein, die einzelnen Komponenten des Lebensstils sequenziell „auszutesten“ (also zunächst Weglassen von Alkohol, dann Weglassen von Zuckern etc.). Das Ansprechen auf Lebensstilmaßnahmen ist individuell variabel, dies ist durch die Heterogenität der zugrundeliegenden Pathophysiologie bedingt.     Eine TG-senkende medikamentöse Therapie sollte erst nach alimentärer Stabilisierung, Umsetzung der Lebensstilmaßnahmen und nach Einstellung eines Diabetes begonnen werden. Insgesamt benötigen nur wenige Patienten mit Hypertriglyzerid­ämie (circa 10 %, eigene Erfahrung, unpubliziert) eine spezifische medikamentöse Therapie zur Triglyzeridsenkung [1]. Im Folgenden werden praktische Empfehlungen für die Patienten-Betreuung aufgeführt.Alkoholverzicht Alkohol führt bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung zu einer deutlichen Erhöhung der Triglyzeridkonzentrationen im Blut. Daher stellt der Verzicht auf alkoholhaltige Getränke (einschließlich Bier und Mischgetränken) häufig die Basis dar, um eine deutliche Verbesserung der Triglyzeride im Blut zu erreichen.Gesündere Ernährung Die Triglyzeride im Blut erhöhen sich vor allem dann, wenn besonders schnell verdauliche Kohlenhydrate getrunken oder gegessen werden. Durch Umstellung der Ernährung auf Kohlenhydrate, die nicht so leicht verdaut werden können (komplexe Kohlenhydrate), können die Triglyzeridwerte gesenkt werden.  Grundlage der gesunden Ernährung sollten täglich 1,5–2 Liter Getränke bilden (kalorienfreie/-arme Getränke wie Wasser und ungesüßter Tee). Weiterhin gilt allgemein die Empfehlung, Nahrungsmittel mit schnell verdaulichen Kohlenhydraten wie Cola, Limonaden, Säfte, Weißbrot, Weißmehlprodukte und Süßigkeiten durch die kohlenhydratfreie Getränke (Wasser, ungesüßter Tee) und Produkte mit vielen Ballaststoffen wie Vollkornprodukte und Gemüse zu ersetzen. Für den Appetit zwischendurch kommen Rohkost in Form von Gemüsesticks, Snacktomaten und -gurken oder ähnliches in Frage. Grundsätzlich eignet sich eine große Gemüseportion auf dem Mittagsteller zum Sattessen. Zur Orien­tierung gilt der Ratschlag, die Hälfte des Tellers mit Gemüse zu belegen und dann den Rest des Tellers mit der übrigen Mahlzeit zu füllen.         Mehr Bewegung Folgende Empfehlungen können hilfreich sein: Bauen Sie in Ihren Alltag mehr Bewegung ein! Statt mit dem Aufzug zu fahren, nehmen Sie die Treppe oder steigen Sie eine Bahnhaltestelle eher aus. Drei intensive Bewegungseinheiten pro Woche erhöhen Ihren Energieverbrauch und unterstützen so eine Gewichtsabnahme. Als Faustregel gilt, dass dreimal pro Woche eine körperliche Anstrengung erfolgen soll, die so intensiv ist, dass das Oberteil nass geschwitzt ist.      ReferenzParhofer KG, Laufs U. The diagnosis and treatment of hypertriglyceridemia. Dtsch Arztebl Int 2019; 116(49): 825–32.  Aufmacherbild Copyright:   Leithan Partnership t/a The Picture Pantry / Alamy Stock Foto   Autor:           Prof. Dr. med. Ulrich Laufsulrich.laufs@medizin.uni-leipzig.de                 aus connexiplus 2-2020 KARDIORENALE ACHSE INTERDISZIPLINÄRKardiologie, Nephrologie, Diabetologie, Lipidologie, Biomarker sowie Ernährung       Titelbild Copyright: Shutterstock / AlexRoz, Shutterstock / Maria Averburg, Shutterstock / 3Dstock, Shutterstock / Sebastian Kaulitzky. Gestaltung: Jens Vogelsang    
 

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Stand: 17. Januar 2020
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