Myths and Facts

Mit rotem Reis ganz natürlich den Cholesterinspiegel senken?   Ein hohes LDL-Cholesterin (LDL-C) spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Roter Reis wird zurzeit vor allem übers Internet als cholesterinsenkendes Naturprodukt angepriesen.Wer erhöhte Blutfettwerte in den Griff bekommen will, kann über einen gesunden Lebensstil mit körperlicher Aktivität, einer gesunden Ernährung oder über pflanzliche Inhaltsstoffe senkend auf den LDL-C-Stoffwechsel einwirken. Phytosterinen in Margarine, Pektinen in Äpfeln, Saponinen und Gerbstoffen in grünem Tee, Gingerolen in Ingwer, Alliin in Knoblauch, mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Nüssen oder Olivenöl, selbst der Schokolade wird eine cholesterinsenkende Wirkung zugesprochen. Doch allen diesen natürlichen Cholesterinsenkern ist gemeinsam, dass sie bei einer Hypercholesterinämie das LDL-C in der Regel nicht ausreichend absenken [1]. Myths Roter Reis wird häufig mit der Aussage beworben, als pflanzlicher Cholesterin-Senker den Cholesterinspiegel „rein natürlich“ – ohne die Nebenwirkungen pharmakologischer Wirkstoffe – effektiv zu senken. Facts Die cholesterinsenkende Wirkung von rotem Reis oder auch Rotschimmelreis (red yeast rice) ist wissenschaftlich gut belegt [2, 3]. Zur Herstellung von rotem Reis wird handelsüblicher Reis mit Schimmelpilzen der Gattung Monascus beimpft. Bei der einsetzenden Fermentation entstehen neben einem roten Farbstoff auch verschiedene pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe, darunter Monacolin K. Monacolin K führt über eine kompetitive Hemmung des Enzyms HMG-CoA-Reduktase zu einer Senkung der Serumkonzentration von Cholesterin und gehört damit zu den Statinen. Die heute übliche Bezeichnung für Monacolin K ist Lovastatin, ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels. Die mit Statinen assoziierten Nebenwirkungen reichen von leichten Muskelschmerzen bis zur Myopathie und in seltenen Fällen bis zur Rhabdomyolyse. Die auf dem Markt erhältlichen Produkte aus rotem Reis unterscheiden sich sowohl in ihrer Wirkstoffkonzentration als auch in ihren unerwünschten Wirkungen und Wechselwirkungen erheblich [3]. Fazit Die Behauptung, dass roter Reis den Cholesterinspiegel „natürlich“ senkt oder niedrig hält, ohne vergleichbare Nebenwirkungen wie synthetische Statine zu haben, ist unhaltbar.    Bericht: Rüdiger Zart   ReferenzenKlose G, Laufs U, März W, Windler E. Familial hypercholesterolemia: developments in diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(31–32): 523–9.Li Y, Jiang L, Jia Z et al. A meta-analysis of red yeast rice: an effective and relatively safe alternative approach for dyslipidemia. PLoS One 2014; 9(6): e98611.DFG. Toxikologische Bewertung von Rotschimmelreis. Verfügbar unter: https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2012/sklm_rotschimmelreis_121218.pdf   Aufmacherbild Copyright:  Shutterstock / MilletStudio              aus connexiplus 2-2020 KARDIORENALE ACHSE INTERDISZIPLINÄRKardiologie, Nephrologie, Diabetologie, Lipidologie, Biomarker sowie Ernährung       Titelbild Copyright: Shutterstock / AlexRoz, Shutterstock / Maria Averburg, Shutterstock / 3Dstock, Shutterstock / Sebastian Kaulitzky. Gestaltung: Jens Vogelsang    
 

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Stand: 17. Januar 2020
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