The Story Behind - Der Schlüssel zur Katastrophe

THE STORY BEHIND  von Michael Kaplan, Edinburgh   Lesen Sie hier die jüngste Geschichte aus unserer Reihe The Story Behind®:   Der Schlüssel zur Katastrophe In Anbetracht der Plagen, die wir durchlitten hatten, und jener, die noch kommen sollten, erkannten wir, dass sich die Weissagung des Jeremia erfüllt hatte: Draußen vor der Stadt in den Feldern sahen wir unsere Leute, erschlagen mit dem Schwert, und als wir uns in die Stadt wandten, sahen wir die Armen und Bedürftigen, vom Hunger überwältigt. Tot und erstarrt lagen sie in den Straßen.“ Die meisten von uns haben solche fürchterlichen Bilder vor Augen, wenn wir das Wort „Mittel­alter“ hören. Das „finstere Mittelalter“, mit Krieg, Hunger, Krankheit und Tod – den vier Reitern der Apokalypse. Bewaffnete Konflikte ohne Ziel und Hoffnung, in denen die Beteiligten nur deswegen weiterkämpfen, weil sie das, was sie den besiegten Bauern wegnehmen, zum Überleben benötigen. Die beraubten Bauern verhungern. Seuchen, die Mensch und Tier treffen können, plötzlich und scheinbar rein zufällig, was die Menschen zu dem Schluss bringt, dass Gott entweder sehr weit weg ist oder einen großen Zorn auf seine Schöpfung haben muss. Der Tod, der immer so präsent ist, dass man sein Röcheln in allen Straßen zu hören meint, und der uns aus allen Bildern entgegen grinst. Es ist die Zeit des memento mori und des Totentanzes – Menschen, die gelähmt sind vor Angst und ständig im Schatten des Todes ihr ärmliches Dasein fristen. Das Zitat am Anfang stammt aus dem Jahr 1315. Und doch: Wenn wir nur hundert Jahre weiter in die Vergangenheit zurückgehen, begegnen wir dem Minnesänger Walther von der Vogelweide, und bei ihm klingt das Lebensgefühl des Mittelalters völlig anders:Friedlich, voller Hoffnung, sorglos und frei – im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich in Europa eine Art Vor-Renaissance. Immer mehr Städte wurden gegründet und immer mehr Menschen zogen dorthin, es gab verlässliche Gesetze, Gelehrsamkeit breitete sich aus und war hoch geachtet, und verbesserte Methoden in der Landwirtschaft mit entsprechend guter Versorgungslage führten zu einem enormen Bevölkerungswachstum. Noch heute gibt es in einigen Ländern Gegenden, die damals dichter bevölkert waren als heute – Frankreich ist ein bekanntes Beispiel. Was also hat sich verändert zwischen dem hoffnungsfrohen 13. Jahrhundert und dem finsteren, verzweifelten 14.? Das Jahr, aus dem unser erstes Zitat stammt, 1315, markiert einen Wendepunkt. Dauerregen ab dem Frühjahr hatte die Ernten völlig ruiniert, so dass sich die Preise für sämtliche Lebensmittel im darauffolgenden Winter verdreifachten. Ganz Europa hungerte, von den Pyrenäen bis nach Polen und von Schottland bis in die Schweiz. Kannibalismus breitete sich aus. Seuchen folgten – vermutlich war es Milzbrand, denn Haustiere starben ebenso wie Menschen. Überall schlossen sich Menschen zu Gruppen zusammen, um barfuß als Büßer weite Strecken umherzuziehen und Gott um Hilfe anzuflehen. Vergeblich, es regnete immer weiter. Die Kriminalität wuchs ins Unermessliche – Diebstahl und Raub von Lebensmitteln, Mord und Piraterie nahmen überhand, das Gesetz war machtlos. In einigen Ländern dauerte dieser Horror bis 1319. Bis zu einem Viertel aller Menschen in Europa starben. Offensichtlich waren die Ereignisse ab 1315 ex­trem traumatisch für die, die sie durchleben mussten, und viele Historiker haben psychologische Theorien aufgestellt, wie das darauffolgende bittere Jahrhundert dadurch beeinflusst wurde: Leiden und Opfer gewannen einen viel höheren Stellenwert in der Religion, und in der Gesellschaft gingen die ritterlichen Ideale verloren. Aber das ist keine Diagnose, es ersetzt nur eine Theorie durch eine andere. Es ist ungefähr so, wie wenn man Krankheiten auf ein Ungleichgewicht der Säfte oder auf einen Mangel an ‚Lebenskraft‘ zurückführt. Auch die ökonomischen Faktoren wurden viel beachtet, denn das Feudalsystem brach zusammen und der Handel  versiegte – aber auch hier: Es handelt sich um Korrelationen, nicht um Ursache und Wirkung, ebenso wie wenn man einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Krankheit und hygienischen Gewohnheiten betrachtet.      Um die tatsächliche Ursache von Leid und Elend im 14. Jahrhundert herauszufinden, bedurfte es eines multidisziplinären Herangehens an die Geschichte. Dabei hat eine bestimmte, sonst in diesem Zusammenhang eher selten herangezogene Wissenschaft die entscheidenden Erkenntnisse geliefert. Welche war es?  Geologie ? Philologie ? Biologie ?Schauen Sie auf unserer STORY-Seite nach, ob Sie richtige Antwort kennen.Wir wünschen viel Spaß beim Rätseln !     Aufmacherbild Copyright: Dina Belenko / Alamy Stock Foto       Autor:           Michael Kaplan m.s.e.kaplan@btinternet.com                  aus connexiplus 2-2020 KARDIORENALE ACHSE INTERDISZIPLINÄRKardiologie, Nephrologie, Diabetologie, Lipidologie, Biomarker sowie Ernährung       Titelbild Copyright: Shutterstock / AlexRoz, Shutterstock / Maria Averburg, Shutterstock / 3Dstock, Shutterstock / Sebastian Kaulitzky. Gestaltung: Jens Vogelsang   
 

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Stand: 17. Januar 2020
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