Chronische Nierenerkrankung

Über Prävention und die mögliche Heilung der CKD

Anlässlich der Tagung der ERA-EDTA (European Renal Association and European Dialysis and Transplant Association) im Mai 2018 in Kopenhagen wies der Kongresspräsident Professor Dr. Bo Feldt-Rasmussen, Rigshospitalet, Kopenhagen, auf den innovativen Charakter seines Faches hin: „Die Nephrologie war das erste medizinische Fachgebiet, dem es gelang, die Funktion eines lebenswichtigen menschlichen Organs über lange Zeiträume zu ersetzen, und ich bin optimistisch, dass es uns in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten gelingen wird, eine Heilung für die chronische Nierenkrankheit zu finden.“

 

Der Umstand, dass sich die renalen Erkrankungen mit der interstitiellen Fibrose eine gemeinsame pathophysiologische Endstrecke teilen, trägt zum Optimismus bei der Aussicht auf zukünftige Therapieoptionen bei. Derzeit richten etliche Forschungsinitiativen ihr Augenmerk auf dieses Phänomen. Man betrachtet das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln und versucht die Pathomechanismen zu verstehen.

 

In der Nephrologie allein die Niere zu betrachten, wäre jedoch zu kurz gedacht. Zwischen Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie metabolischen Störungen und Störungen des Mineral- und Knochenstoffwechsels bestehen mannigfaltige Wechselwirkungen. Beim Nierenschutz wird es demnach verstärkt darum gehen, diese Störungen so frühzeitig wie möglich zu erkennen und ihr Fortschreiten zu verhindern.

 

Wachsende Herausforderung Demografie

 

Ein Fokus des ERA-EDTA-Kongresses in Kopenhagen war die Prävention der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Da die CKD häufig eine Folge von Diabetes mellitus und Bluthochdruck in der zweiten Lebenshälfte ist, wird die demografische Entwicklung zu einer wachsenden Herausforderung für die Nephrologie. Die Zahlen der an Diabetes mellitus und/oder Bluthochdruck erkrankten Menschen steigen. Heute leiden 320.545 Dänen an Diabetes mellitus, 2030 werden es 430.000 sein, so der Kongresspräsident. „Dennoch ist die Zahl der Patienten mit einer diabetischen Nephropathie in Dänemark stabil. Dies zeigt, dass sich unsere Anstrengungen, die präventive Therapiestrategien zu verbessern, bereits auszahlen“, betont Feldt-Rasmussen. Dabei sei es besonders wichtig, diejenigen Patienten zu schützen, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, ein terminales Nierenversagen zu entwickeln. Das sei nicht nur im Sinne der Betroffenen, sondern, da die Nierenersatztherapie eine ausgesprochen kostenintensive Therapie ist, auch von großer Bedeutung für die nationalen Gesundheitssysteme. Das Dilemma: Es ist bisher kaum sicher vorherzusagen, bei welchem Patienten die Nierenkrankheit progredient verläuft und bei welchem nicht.

 

Differenzierende Biomarker und Liquid-Kidney-Biopsie

 

In Zeiten, in denen die Therapie immer individueller und zielgerichteter werden soll, gewinnen differenzierende Biomarker an Bedeutung. Während herkömmliche Laborwerte wie das Serumkreatinin meist nur noch einen eingetretenen Schaden feststellen können, der dann häufig bereits irreversibel ist, vermögen moderne Biomarker pathologische Entwicklungen vorauszusagen, die man therapeutisch noch verhindern oder zumindest beeinflussen kann. Die Etablierung neuer Biomarker birgt nicht zuletzt auch die Chance auf die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien, indem sie neue Therapieziele offenlegt. Das Universitätsklinikum des Saarlandes publizierte kürzlich wegweisende Daten, denen zufolge das Dickkopf 3 (DKK3)-Protein ein verlässlicher prognostischer Biomarker der tubulointerstitiellen Fibrose und CKD-Progression ist. Einen Beitrag der Homburger Arbeitsgruppe finden Sie auf Seite 12. Zur Bestimmung von DKK3 steht ein ELISA-Test zur Verfügung, die Bestimmung bieten viele größere Labore an, und die Kosten werden bereits von einigen Krankenkassen übernommen.

 

Noch ist die Nierenbiopsie Goldstandard bei vielen therapeutischen Entscheidungen im Rahmen von chronischen Nierenerkrankungen. In Zukunft könnte sich das ändern. Eine Analyse des Urinproteoms kann über die molekulare Pathophysiologie informieren und Diagnose, Prognose und Auswahl der therapeutischen Intervention bei nephrologischen Erkrankungen verbessern. Mehr zum Thema Liquid-Kidney-Biopsie finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 16.

 

Nephrologen aus Deutschland erhalten ERA-EDTA Awards

Bei der Eröffnung des Jahreskongresses der ERA-EDTA 2018 wurden gleich zwei Nephrologen aus Deutschland mit einem der vier ERA-EDTA Awards ausgezeichnet:

 

 

Prof. Dr. med. Jürgen Floege, Aachen

 

Der „ERA-EDTA Award for Outstanding Clinical Contributions to Nephrology“ ging an Prof. Jürgen Floege. Prof. Floege ist seit 1999 Direktor der Abteilung für Nephro­logie und Immunologie der RWTH Aachen. Seine STOP-IGAN-Studie, eine forscherinitiierte Studie zur IgA-Nephro­pathie, wurde im international hochrenommierten New England Journal of Medicine publiziert.

 

 

 

 

Prof. Dr. med. Hans-Joachim Anders, München

 

Der „ERA-EDTA Award for Out­standing Basic Science Contributions to Nephrology“ ging an Prof. Hans-Joachim Anders. Prof. Anders  ist Leiter der Nephrologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Standort Innenstadt. Seine Arbeitsgruppe untersucht die zellulären und molekularen Mechanismen des renalen Gewebeumbaus. Prof. Anders ist u. a. Autor von mehr als 290 Publikationen und Mitherausgeber des Journal of the American So­ciety of Nephrology.

 

 

„Dass die diesjährigen europäischen Awards für die klinische Forschung sowie für die Grundlagenforschung nach Deutschland gehen, demonstriert die hohe Qualität des Fachs und Exzellenz der nephrologischen Forschung in unserem Lande“, erläuterte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie Professor Andreas Kribben aus Essen.

 

Redaktion: Rüdiger Zart

 

 

Quellen: ERA-EDTA, DGfN
 

 

 

aus connexi  6-2018

ANEPHROLOGIE, DIALYSE, TRANSPLANTATION

ERA EDTA 2018, Nephrologisches Seminar Heidelberg, Erfurter Dialysefachtage

Kongressberichte

 

 
 
Titelbild
Copyright: Anja Matzker, Gemälde im Hintergrund Copyright © Gerhard Richter 2018 (04072018)
Gestaltung: Anja Matzker, Kommunikations- und Grafikdesign, Berlin

 

 

 
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