Ergebnisse der PROPHET-Studie

Klinische Endpunkte

von Eva Wolf, München

 

Die PROPHET-Studie evaluiert pharmakoökonomische und klinische Outcomes verschiedener antiretroviraler Therapiestrategien zwischen 2014 und 2017, um die Entwicklung der Versorgungssituation in der Behandlungsrealität auch im Kontext der UNAIDS-Ziele einzuschätzen.

 

PROPHET ist eine landesweite, prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie bei erwachsenen ART-naiven Patienten mit chronischer HIV-Infektion, bei denen zwischen 01. August 2014 und 30. September 2015 eine leitliniengerechte First-line-Therapie begonnen wurde. Demnach sollte die antiretrovirale Therapie entweder aus einem Integrase-Inhibitor (INI-Arm), einem nicht-nukleos/tidalem RT-Inhibitor (NNRTI-Arm) oder einem geboosteten Protease-Inhibitor (PI-Arm) plus jeweils zwei NRTI (TDF/FTC oder ABC/3TC) bestehen. Die geplante Fallzahl der Studie lag bei ca. 480 (3x160 Patienten pro Studienarm), die Beobachtungsdauer pro Patient bei 24 Monaten.

 

Die primären Ziele der Studie sind die Bewertung der pharmakoökonomischen und klinischen Out­comes der verschiedenen antiretroviralen Therapiestrategien, die gemäß Behandlungsrichtlinien zum Zeitpunkt der Rekrutierung empfohlen wurden. Sponsor und Initiator der Studie ist die dagnä e. V. Finanzielle Unterstützung zur Durchführung der Studie wurde von der Firma Janssen Deutschland zur Verfügung gestellt. Kooperationspartner im Bereich der Pharmakoökonomie ist der Stiftungslehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen.

 

 

Ziele der Prophet-Studie

 

  • Pharmakoökonomische Outcomes/Krankheitskosten aus Perspektive der GKV (gesetzliche Krankenversicherung) und aus gesellschaftlicher Perspektive (Ressourcenverbrauch für ART, Begleitmedikation, ambulante Arztkontakte, stationäre Aufenthalte, Rehabilitationsmaßnahmen, Arbeitsunfähigkeit)
  • Klinische Endpunkte/Effektivität verschiedener Therapiestrategien

- Virologische Outcomes (virologisches Versagen, Resistenzentwicklung)

- Immunrekonstitution

- Therapiepersistenz/Therapieänderungen

- Klinische Outcomes (inzidente AIDS-definierende Erkrankungen, inzidente Komorbiditäten, klinische Surrogatmarker)

 

Auf dem dagnä-Workshop im September 2018 wurden erstmals die vorläufigen Ergebnisse der 24-Monatsauswertung vorgestellt. Insgesamt beteiligten sich 24 HIV-Schwerpunktzentren an der Studie (18 Zentren aus dem niedergelassenen Bereich, sechs Kliniken). Von 444 Studienteilnehmern erfüllten 434 die Einschlusskriterien und erhielten eine Therapie gemäß Indikation laut Fachinformation der jeweiligen Substanzen bzw. Substanzkombinationen (INI-Arm, n=171; NNRTI-Arm, n=122; PI-Arm, n=141).

 

 

Studienpopulation und antiretrovirale Kombinationspartner

 

Das mediane Alter der Kohorte lag bei 40 Jahren (IQR, interquartile range, 31−48), über 90 % waren männlichen Geschlechts und 90 % kaukasisch. Etwa jeder zehnte Studienteilnehmer hatte im Vorfeld eine AIDS-definierende Erkrankung und ca. jeder Dritte eine HI-Viruslast über 100.000 Kopien/ml. Die mediane CD4-Zellzahl lag bei 370/µl. Der Anteil an sogenannten Late Presenters (CD4-Zellzahl <350/µl und/oder AIDS) lag bei über 40 %, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Armen gab mit ca. zwei Drittel Late Presenters und ca. einem Viertel mit einer AIDS-definierenden Erkrankung im PI-Arm. Die Verteilung der NRTI-Backbones TDF/FTC und ABC/3TC lag bei 3:1. Die häufigsten Vertreter der anderen Substanzklassen waren mit über 80 % bis zu über 90 % Dolutegravir im INI-Arm, Rilpivirin im NNRTI-Arm und Darunavir im PI-Arm [1].

 

 

Die Studienverlaufsdaten

 

Der Verbleib der Patienten in der Studie war hoch: Im Verlauf brachen nur 5 % innerhalb von zwölf Monaten bzw. 12 % innerhalb von 24 Monaten die Studie vorzeitig ab.

Bereits im ersten Jahr wurde bei ca. einem Drittel der Patienten zumindest eine Komponente der Therapie umgestellt, der Anteil nahm im Verlauf noch zu, auch aufgrund neuer verfügbarer Therapieoptionen. Eine Umstellung aufgrund von virologischem Versagen war selten (<2 %). Unabhängig von Therapieumstellungen im Beobachtungzeitraum hatten über 90 % aller Studienteilnehmer nach zwölf und 24 Monaten eine Viruslast unter 50 Kopien/ml (Abbildung 1). Der Anteil mit einer CD4-Zellzahl >750/µL stieg von ca. 5 % auf ca. 35 % an.

 

 

Diskussion und Ausblick

 

Die Prophet-Kohorte mit fast 450 HIV-Patienten bildet die Behandlungsrealität außerhalb von klinischen Studien in Deutschland in den Jahren 2014 bis 2017 ab. Das dritte UNAIDS-Ziel aus „90-90-90“, die Virussuppression bei 90 % der behandelten HIV-Patienten, wurde erreicht. Therapieumstellungen sind häufig, nicht jedoch aufgrund von virologischem Versagen. Der Anteil an Late Presenters von über 40 % zeigt, dass hier Verbesserungen nötig sind. Demnächst startet eine neue Studie (FindHIV), an der die dagnä ebenfalls federführend beteiligt ist, mit dem Ziel, die Gründe für Late Presentation in Deutschland herauszuarbeiten und Maßnahmen zu entwickeln, damit künftig die Diagnosestellung zeitnah auch außerhalb von HIV-Schwerpunktzentren stattfindet. Ein Schritt dahingehend, auch die erste „90“ („90 % aller HIV-Infektionen diagnostiziert“) in Deutschland zu erreichen.  

 

Referenz
Bickel M., 16th EACS 2017, PE9/44       

 

 

Copyright: Shutterstock® ESB Professional

 

 


Autor:

 

 

Dr. phil. (HTA) Eva Wolf, MPH, Dipl. Phys.

ewo@mucresearch.de

 

 

 

 

 

 

aus connexi  9-2018

AIDS und Hepatitis

dagnä-Workshop 2018

Kongressbericht

 

 

 

 

Titelbild
Copyright: Shutterstock® ducu59us
Gestaltung: Jens Vogelsang

 

 

 
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