40 Jahre Deutsche Schmerzgesellschaft

Schmerztherapie ist eine „personalisierte Therapie“

Im Congress Center Rosengarten in Mannheim fand vom 14. bis 17. Oktober 2015 der Deutsche Schmerzkongress statt. Die mehr als 2.500 Teilnehmer hatten in diesem Jahr einen besonderen Anlass zu feiern: Die Deutsche Schmerzgesellschaft beging das 40-jährige Jubiläum ihrer Gründung.

 

Am 8. September 1975 wurde während des 1rst World Congress on Pain in Florenz die Gesellschaft zum Studium des Schmerzes für Deutschland, Österreich und die Schweiz gegründet. Aus den 31 damals anwesenden Gründungsmitgliedern hat sich mit etwa 3.500 persönlichen Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich der Schmerzmedizin in Europa entwickelt.

 

Die beiden Kongresspräsidenten der Deutschen Schmerzgesellschaft und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG), Prof. Hans-Georg Schaible und Prof. Martin Marziniak, haben mit dem programmatischen Thema „Schmerz im Leben – Schmerz (Er)leben“ ganz bewusst ein Motto gewählt, bei dem sich jeder Kongressbesucher seine sicher zahlreichen eigenen Erlebnisse und Assoziationen mit dem Thema Schmerz ins Bewusstsein rufen konnte. Niemand kann sich diesem Thema entziehen, Schmerzerfahrungen kennen wir alle. „Schmerz ist immer in der Mitte unseres Lebens angesiedelt, betrifft unseren Alltag, unser soziales Gefüge und unser Wohlergehen. Schmerzerleben, besonders in seinem chronischen Verlauf, führt zu Leid und Rückzug und dadurch zu deutlich eingeschränkter Lebensqualität. Dies gilt es zu überwinden bzw. zu verhindern“, betont Kongresspräsident Professor Marziniak in seinem Grußwort. Jeder Schmerz ist also anders und jede Schmerzerfahrung ist eine individuelle. Professor Hans-Georg Schaible schreibt dazu: „Die Konsequenz davon ist, dass gerade die Behandlung von Menschen mit einer chronischen Schmerzerkrankung (auch) eine individuelle sein muss, mit anderen Worten die Schmerztherapie ist eine „personalisierte Therapie“. Dieses bedeutet nicht, dass die Therapie sich nicht an medizinischer Evidenz zu orientieren hat, sondern dass die Arzt-Patient-Beziehung und Kommunikation besonders aufmerksam dem einzelnen Patienten gerecht werden muss. Hier wird das Schmerzerleben zu einem miteinander Schmerzertragen.“

 

Mit mehr als 2.500 Teilnehmern gehört der Schmerzkongress zu den großen und bedeutenden medizinisch-wissenschaftlichen Fachtagungen in Deutschland. Dieser Kongress ist insofern besonders, da er forschende Ärzte verschiedener Fachgebiete, praktisch tätige Schmerztherapeuten und mit ihnen kooperierende Spezialisten anderer Disziplinen, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten und viele andere, die sich mit dem Thema Schmerz beschäftigen, zusammenführt, um sich über die neuen Erkenntnisse und den aktuellen Stand der Grundlagen- und klinischen Forschung in der Schmerzmedizin auszutauschen, um dieses „neue“ Wissen dann bei ihren schmerzerkrankten Patienten anzuwenden, und so die Schmerzmedizin in Deutschland kontinuierlich zu verbessern.

 

Innovation in der Schmerztherapie zum Wohl des Patienten

 

Für Schmerzpatienten gibt es eine Reihe vielversprechender neuer Medikamente und Therapieformen, deren Vor- und Nachteile Spezialisten beim Deutschen Schmerzkongress diskutierten. Pflaster mit dem Wirkstoff Capsaicin können Nervenschmerzen bis zu drei Monate lang lindern. In den letzten Jahren gelang es in ersten kleineren Studien erfolgreich Antikörper gegen den CGRP (Calcitonin gene related petide)-Rezeptor in der Migräne-Prophylaxe zu testen. Aktuell starten große Phase-III-Studien, die dann auch beantworten sollen, wie sicher diese Substanzen tatsächlich sind. Schnell-freisetzende Fentanyle wirken in einer neuen Applikationsform und Galenik nun wirklich schnell und können Tumorpatienten bei spontanen Durchbruchschmerzen rasch und effektiv Linderung verschaffen. Anlass zur berechtigten Sorge bereitet die zunehmende Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht Tumor-bedingten, chronischen Schmerzen. Hier müssen Nebenwirkungen und Risiken beachtet werden. Einige dieser Themen werden Sie in der vorliegenden Ausgabe von connexi wiederfinden. Die Entwicklung der therapeutischen Möglichkeiten in der Schmerzmedizin verläuft rasant, von nicht wenigen dieser Innovationen könnten Schmerzpatienten schon jetzt profitieren. Es lohnt sich also, die spannenden und vielfältigen neuen Erkenntnisse in der Schmerzmedizin im Auge zu behalten.

 

Bericht: Rüdiger Zart

 

 

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses am 14. Oktober 2015 in Mannheim. Veranstalter: Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.

 

Copyright: mauritius images/Science Picture Co.

 

 


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Deutscher Schmerzkongress 2015

14. bis 17. Oktober 2015 Mannheim

 

http://schmerzkongress2015.de/

 

 


 
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