50 Jahre ASN

ASN Kidney Week 2016

von Bernd Winterberg

 

 

Im November vergangenen Jahres feierte die American Society of Nephrology mit dem ASN-Kongress in Chicago ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr als 13.000 Teilnehmer versammelten sich vom 15.–20. November 2016 auf diesem weltgrößten Nephrologen-Kongress im Congress-Center McCormick Place in Chicago.

 

Die Teilnehmer der ASN Kidney Week 2016 strömten aus über 100 verschiedenen Ländern in die „Windy City“, auch „City by the Lake“ oder – auf Grund der zentralen Lage in den USA – „Heart of America“ genannt, die sich Mitte November, schon in Vorbereitung auf die Weihnachtszeit, mit allerdings immer noch mildem Klima präsentierte.

 

Der Kongresspräsident Raymond C. Harris, MD, FASN, hob in seiner Plenaransprache im Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre die auf dem Gebiet der Nephrologie erzielten Fortschritte hervor, die meistens nur langsam kamen. Er beleuchtete die Verhältnisse im Jahre 1966, als in den USA in 43 „Zentren für künstliche Nieren“ insgesamt ca. 400 Patienten betreut wurden. Die Dialysetherapie wurde wegen der geringen Anzahl von verfügbaren Maschinen rationiert, und Komitees entschieden über die Durchführung einer Dialysetherapie. Ausgehend von diesen Anfängen der Nephrologie ist es, so Harris, dem Engagement und dem Genius vieler Nierenforscher zuzuschreiben, dass in den letzten 50 Jahren Einblicke in die Transportmechanismen und die zellulären Funktionen aller Nephronsegmente und in die genetischen, pathophysiologischen und biochemischen Grundlagen einer großen Zahl von Nierenerkrankungen gewonnen werden konnten. Es wurden wesentliche Fortschritte in der Dialysetherapie gemacht und signifikante Verbesserungen der immunsuppressiven Therapie in der Nierentransplantation und bei immunologisch begründeten Nierenerkrankungen erzielt.

 

Die Nierenwoche der amerikanischen Gesellschaft für Nephrologie stand unter dem Motto: Reinventing Nephrology: From Molecule to Man.

 

Diesem Motto trugen Vorträge Rechnung, die sich mit der translationalen Medizin, also der Umsetzung präklinischer Forschung in die klinische Entwicklung beschäftigten (bench to bedside), um eine Verbesserung von Prävention, Diagnostik und Therapie zu erreichen. Es wurden zehn Early-Program-Fortbildungskurse angeboten, die frische Updates zu Fortschritten in klinischer Nephropharmakologie, Intensivmedizin, Säure-Basen-, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, Nierentransplantation, glomerulären Erkrankungen, Nierenpathologie usw. anboten. Vier State-of-the-Art-Vorträge beschäftigten sich mit der Adipositas und ihrer Genetik, mit der bioelektronischen Medizin, der diabetischen Nephropathie und der enteroendokrinen Physiologie und dem drug design für Typ-2-Diabetes und Adipositas.

 

Beispielhaft

 

Es wurden ca. 3.500 Poster gezeigt, die Neues aus dem Spektrum der Basiswissenschaften, der klinischen und translationalen Forschung, des akuten Nierenschadens, der Nierentransplantation und der Methoden, Ungleichheiten in den Gesundheitssystemen zu identifizieren und vieles mehr zum Gegenstand hatten. Ohne hier einen repräsentativen Querschnitt geben zu können, seien doch einige Vorträge/Poster aus der großen Zahl erwähnt:

Eine Metaanalyse (zwölf Kohortenstudien, über 23.000 Teilnehmer) von David Goldsmith et al., London, beschäftigt sich mit der Prognose von Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus nach Parathyreoidektomie. Eine Parathyreoidektomie senkte demnach signifikant die Gesamtmortalität verglichen mit einer Standardtherapie.

 

Anthony A. Portale et al., San Francisco, USA, berichten über eine Therapiestudie an rachitischen Kindern mit x-chromosomaler Hypophosphatämie mit dem vollhumanen monoklonalen Antikörper KRN23 gegen FGF23, dessen Verabreichung zu einer Besserung der renalen Phosphat-Reabsorption, der 1,25(OH)2D3-Synthese und der radiologischen Zeichen der Rachitis führte.

 

Sola A. Bahous et al. aus Byblos, Libanon, berichten über den Zusammenhang von Vitamin-K-Mangel und der Arteriensteifigkeit bei nierentransplantierten Kindern. Eine Vitamin-K-Supplementation führte bei den Kindern zu einem hochsignifikanten Rückgang der Arteriensteifigkeit.

 

John Cunningham et al., London, berichten über ein neues i.v.-Calcimimetikum (ETL-Etelcalcitide) und J. Jirs et al., Seoul, über die günstige Wirkung von Empagliflozin (SGLT2-Inhibitor) bei Tacrolimus-induziertem Diabetes mellitus Typ 2.

 

Meera N. Harkay et al., Philadelphia, USA, fanden in ihrer Untersuchung in den USA eine Zunahme der Mikro- und Makroalbuminurie-Prävalenz bei erwachsenen adipösen Patienten und Patienten mit morbider Adipositas ohne Komorbiditäten.

 

Srinivasa Beddhu, Utah, USA, stellte eine Wandlung des Phänotyps der chronischen Nierenerkrankung bei Diabetes mellitus fest. Am häufigsten fand sich der Phänotyp mit einem hohen kardiovaskulären Risiko ohne erhöhtes Risiko der Progression der chronischen Nierenerkrankung.

 

Pei L. Tok et al., Singapur, fanden eine signifikante Verringerung der Urin-Albumin-Ausscheidung und Verbesserung der Nierenfunktion bei adipösen diabetischen Patienten nach bariatrischer Operation.

 

Bo Y. Nam et al., Seoul, konnten in ihrer Untersuchung an 2.299 prävalenten Dialysepatienten zeigen, dass im Vergleich zur Referenzgruppe die All-Cause-Mortalität bei systolischen Blutdruckwerten unter 110 mmHg und über 170 mmHg signifikant höher ist.

 

Silvia Ferrè et al., Dallas, USA, fanden eine signifikante Assoziation zwischen niedrigem Serum-Magnesium und Tod aus kardiovaskulärer Ursache.

 

Auf dem Gebiet der Zystennierenerkrankung (ADPKD) waren eine Reihe neuer Substanzen, die eine Wachstumshemmung der Zysten bewirken sollen, Gegenstand der Untersuchungen; z. B. H2-Gamendazol und der Aldosteron-Synthase-Inhibitor ANG 3586. Spezielle Industriesymposien hatten HIF-Aktivatoren (Raxadustat, Daprodustat), neue orale Kaliumbinder (Patiromer, Zirkonium-Cyclosilikat), Medikamente zur Therapie der akuten und chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion und der Hyperphosphatämie zum Gegenstand. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielfältigen Themen dieses Kongresses.

 

 

Ausblick

 

Kongress-Präsident Raymond C. Harris machte beim Blick in die Zukunft auf einige Punkte aufmerksam, die seiner Meinung nach eine besondere Bedeutung haben werden:

  • Die translationale Medizin, die die Barrieren zwischen Basisforschung und klinischer Forschung und zwischen den Disziplinen unter der Nutzung der pathophysiologischen Grundlagen und der Analyse großer Datenmengen (big data) auflösen soll.
  • Die Telehealth, die nicht länger von Health getrennt sein soll.
  • Fortschritte in der Transplantationsmedizin, die durch Technik verändert wird, z. B. durch neue Technologien wie Xenotransplantation oder Stammzell-basierte Technologien mit dem Ziel allen potenziellen Empfängern ein funktionierendes Organ geben zu können.
  • Zum Ende dieses 50. ASN-Kongresses wurde es doch winterlich kalt in Chicago, so dass der Abschied von dieser großartigen Stadt leichter fiel. Viele Kongressteilnehmer kehrten heim mit einem erneuerten Enthusiasmus.  

 

Bericht: Dr. med. Bernd Winterberg

 

 

Bild Copyright:  Fotolia® kanonsky

 


 

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aus connexi  3-2017

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Titelbild
Copyright: mauritus images / Science Photo Library / Alfred Pasieka, Shutterstock® Archiwiz, Shutterstock® Olga Rom, Shutterstock® Taiga
Gestaltung: Jens Vogelsang, Aachen

 

 

 

 

 

 
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