CaRe High

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Kaskadenscreening auf familiäre Hypercholesterinämie in Deutschland und Aufbau eines nationalen Patientenregisters

 

von Nina Schmidt und Winfried März, Mannheim

 

 

Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen die häufigste Todesursache in Deutschland dar. Trotzdem gab es bislang keine Programme zur frühzeitigen Identifikation von Personen mit sehr hohem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine häufige Stoffwechselstörung, die familiäre Hypercholesterinämie, ist mit einem sehr hohen Herz-Kreislauf-Risiko verbunden und führt bereits im jungen Alter zu kardiovaskulären Ereignissen [1, 2].

 

Bei der familiären Hypercholesterinämie (FH) ist der LDL-Cholesterin-Wert aufgrund von Mutationen in Schlüsselproteinen des Cholesterinstoffwechsels (LDL-Rezeptor, ApoB100, PCSK9) [3–8] bereits ab Kindesalter erhöht. Die FH wird autosomal-dominant vererbt, das heißt die Hälfte der Verwandten aller Patienten ist ebenfalls betroffen. Leider ist die FH in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern auch, stark unterdiagnostiziert [9]. Bei einer Prävalenz von ca. 1:300 [10] sind in Deutschland knapp 270.000 Patienten betroffen. Diagnostiziert sind aber weniger als 2 % von ihnen [9]. Die Diagnose FH wird in den meisten Fällen erst nach dem Auftreten von schweren Folgeerkrankungen gestellt. Durch eine frühzeitige Therapie mit cholesterinsenkenden Medikamenten kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindert werden [11, 12]. Mittels Kaskadenscreening können, ausgehend von einem betroffenen Patienten, erstgradige und zweitgradige Verwandte untersucht und nach erfolgter Diagnose einer frühzeitigen Behandlung zugeführt werden. In anderen europäischen Ländern wurden bereits erfolgreich Präventionsprogramme in Form von Kaskadenscreenings etabliert. Seit Beginn des Jahres 2015 gibt es ein solches Projekt auch in Deutschland.

 

Aufbau eines Patientenregisters

 

Bei der Durchführung des Kaskadenscreenings und dem Aufbau des Patientenregisters ist die Hilfe der niedergelassenen Ärzte und der Spezialambulanzen unerlässlich. Deshalb werden niedergelassenen Ärzte, Spezialambulanzen und Reha-Kliniken von Studienassistenten angesprochen und über die Erkrankung FH und die Studie informiert. Die Ärzte sollen anhand der vorliegenden Laborwerte und der Familienanamnese ihrer Patienten mögliche FH-Patienten identifizieren und anhand von Ein- und Ausschlusskriterien in die Studie einschließen. Patienten müssen mindestens zwei der Einschlusskriterien erfüllen. Die Einschlusskriterien umfassen LDL-Cholesterin-Konzentration >190 mg/dl oder Gesamtcholesterin-Konzentration >290 mg/dl; frühe Herz-Kreislauf-Erkrankung; Sehnenxanthome, nahe Verwandte mit Hypercholesterinämie oder frühem Myokardinfarkt. Nach Einschluss werden die Patienten von den Studienassistenten zur Familien- und Eigenanamnese befragt. Gemeinsam mit den Patienten sollen möglicherweise ebenfalls betroffene Verwandte identifiziert werden. Die Entscheidung über weitere diagnostische Maßnahmen und Therapieänderungen trifft in allen Fällen der behandelnde Arzt. Die Studie wurde bzw. wird in allen deutschen Bundesländern den Ethik-Kommissionen zur Begutachtung vorgelegt.

 

Diagnoserate steigern

 

Durch dieses Projekt sollen Erkenntnisse über den Versorgungs- und Behandlungsstatus von Patienten mit FH in Deutschland gewonnen werden. Es soll ein nationales Register für FH-Patienten in Deutschland aufgebaut werden. Mittelfristig soll dadurch die Diagnoserate für FH von weniger als 2 % auf 20 % gesteigert werden und der Behandlungsstatus und damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der betroffenen Patienten verbessert werden. Das Projekt wird mit finanzieller Unterstützung durch die Firmen Amgen, München und Sanofi-Aventis, Berlin durch die D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V., Hamburg deutschlandweit durchgeführt.    

 

Kontakt:
Sollten Sie weitere Informationen zum Projekt CaRe High wünschen oder Interesse an einer Teilnahme haben, können Sie die Projektleitung unter fh@dach-praevention.eu, 0173/1889272 oder postalisch an CaRe High, Am Exerzierplatz 23, 68167 Mannheim, erreichen.

 

 

Referenzen
  1. Slack J. Risks of ischaemic heart-disease in familial hyperlipoproteinaemic states. Lancet 1969; 2(7635): 1380–2.
  2. Austin MA. Genetic causes of monogenic heterozygous familial hypercholesterolemia: a HuGE Prevalence Review. Am J Epidemiol [Internet] 2004; 160(5): 407–20. Available from: http://aje.oupjournals.org/cgi/doi/10.1093/aje/kwh236.
  3. Hobbs HH, Brown MS, Goldstein JL. Molecular genetics of the LDL receptor gene in familial hypercholesterolemia. Hum Mutat 1992;1(6): 445–66.
  4. Hobbs HH, Brown MS, Russell DW et al. Deletion in the gene for the low-density-lipoprotein receptor in a majority of French Canadians with familial hypercholesterolemia. N Engl J Med 1987; 317(12): 734–7.
  5. Tolleshaug H, Hobgood KK, Brown MS, Goldstein JL. The LDL receptor locus in familial hypercholesterolemia: multiple mutations disrupt transport and processing of a membrane receptor. Cell 1983; 32(3): 941–51.
  6. Whitfield AJ, Barrett PHR, Van Bockxmeer FM, Burnett JR. Lipid disorders and mutations in the APOB gene. Clinical Chemistry 2004: 1725–32.
  7. Defesche JC, Pricker KL, Hayden MR et al. Familial defective apolipoprotein B-100 is clinically indistinguishable from familial hypercholesterolemia. Arch Intern Med 1993; 153(20): 2349–56.
  8. Abifadel M, Varret M, Rabès J-P et al. Mutations in PCSK9 cause autosomal dominant hypercholesterolemia. Nat Genet [Internet] 2003; 34(2): 154–6.
  9. Nordestgaard BG, Chapman MJ, Humphries SE et al. Familial hypercholesterolaemia is underdiagnosed and undertreated in the general population: guidance for clinicians to prevent coronary heart disease: consensus statement of the European Atherosclerosis Society. Eur Heart J [Internet] 2013 Dec 1 [cited 2014 Jul 15]; 34(45): 3478–90a. Available from: http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=3844152&tool=pmcentrez&rendertype=abstract
  10. Schmidt N, Schmidt B, Dressel A et al. Familial hypercholesterolemia in primary care in Germany. Diabetes and Cardiovascular Risk Evaluation: Targets and Essential Data for Commitment of Treatment (DETECT) – Study. Artherosclerosis 2017 [under revision].
  11. Stock J. New EAS Consensus Statement on FH: improving the care of FH patients. Atherosclerosis [Internet]. 2013 Nov [cited 2014 Nov 12]; 231(1): 69–71. Available from: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S002191501300511X
  12. Versmissen J, Oosterveer DM, Yazdanpanah M et al. Efficacy of statins in familial hypercholesterolaemia: a long term cohort study. BMJ [Internet] 2008 Jan [cited 2014 Dec 1]; 337: a2423. Available from: http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=2583391&tool=pmcentrez&rendertype=abstract

 


Autorin:

 

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Dr. rer. nat. Nina Schmidt

nina.schmidt@dach-praevention.eu

 

 

 

 
 
 

 

aus connexi  6-2017

BIOMARKER 2017

Symposium Biomarker der kardiorenalen Achse 2017

Kongressbericht

 

 

Copyright Bild: Oleksiy Maksymenko Photography / Alamy Stock Foto
 

 

 

 
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