Gesund trotz HIV-Infektion

Immunaktivierung und virale Reservoire bei Kindern

Maximilian Muenchhoff1-4, Emily Adland1-2, Julia Roider1-2, Lynn Morris5, Thumbi Ndung’u1, Philip Goulder1-2

 

1Department of Paediatrics, University of Oxford 2HIV Pathogenesis Programme, Durban, South Africa 3Max von Pettenkofer-Institute, Ludwig-Maximilians-University Munich, Germany; 4German Center for Infection Research (DZIF), partner site Munich, Germany 5National Health Laboratory Service (NHLS), Johannesburg, South Africa

 

Während bei erwachsenen HIV-Patienten mit hoher Viruslast die Erkrankung ohne Therapie rasch voranschreitet, gibt es eine Subgruppe von HIV-infizierten Kindern, die trotz vertikaler HIV-Infektion auch ohne antiretrovirale Therapie klinisch gesund bleiben. Um die zugrunde liegenden Mechanismen zu detektieren, untersuchten wir eine Kohorte von 170 Paediatric Non-Progressors (PNPs) bezüglich immunologischer und virologischer Parameter im Vergleich mit Kindern, die eine fortgeschrittene HIV-Infektion hatten, und mit HIV-negativen Kindern.

 

Bei erwachsenen chronisch HIV-infizierten Pa­tienten ist eine hohe Viruslast ohne Therapie auf Dauer in fast allen Fällen unweigerlich mit einem Voranschreiten der Erkrankung assoziiert, weshalb die Suppression der viralen Replikation durch antiretrovirale Therapie den höchsten Stellenwert in der Behandlung der HIV-Infektion hat. Bei den natürlichen Wirtstieren des Simian Immunodeficiency Virus (SIV), von dem HIV abstammt, wie z. B. den Rußmangaben, kommt es jedoch trotz permanent hoher Viruslast nicht zu einem Voranschreiten der Erkrankung und zu keiner Immundefizienz. Einen ähnlichen klinischen Phänotyp mit normalen CD4-Zellzahlen trotz hoher Viruslast beobachten wir bei einer Untergruppe von HIV-infizierten Kindern, die wir hier als ‚Paediatric Non-Progressor’ (PNP) bezeichnen, die trotz vertikaler HIV-Infektion auch ohne antiretrovirale Therapie klinisch gesund bleiben und über die Kindheit hinaus normale CD4-Zellzahlen beibehalten.

 

 

Methoden

 

Um die Mechanismen zu identifizieren, die ein Voranschreiten der Erkrankung trotz starker viraler Replikation verhindern, untersuchten wir eine Kohorte von 170 HIV-1 Subtyp C-infizierten PNPs aus Kliniken in Südafrika und England bezüglich immunologischer und virologischer Parameter im Vergleich mit Kindern mit fortgeschrittener HIV-Infektion und mit HIV-negativen Kindern.

 

 

Ergebnisse

 

Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen ein Nichtvoranschreiten der HIV-Infektion im Regelfall mit einer sehr niedrigen Viruslast einhergeht, lag bei den PNPs eine permanent hohe Viruslast vor (Median 26.000 Kopien/ml) die nicht mit der CD4-Zellzahl korrelierte. Analog zu den natürlichen Wirtstieren von SIV, bei denen eine niedrige Immunaktivierung trotz hoher Viruslast die Krankheitsprogredienz maßgebend beeinflusst, war auch bei PNPs die T-Zell- und Monozyten-Aktivierung sehr niedrig und vergleichbar mit HIV-negativen Kindern, wohingegen Kinder mit fortgeschrittener HIV-Infektion durch eine hohe Immunaktivierung charakterisiert waren. Die CD4+ und CD8+ T-Zellen von erkrankten Kindern zeigten im Gegensatz zu denen von PNPs eine Differenzierung hin zu pro-inflammatorischen T-Effektor-Zell-Populationen mit einem hohen Grad an Immunerschöpfung und einem Verlust von polyfunktionalen Zytokin-Antworten. HIV-spezifische T-Zell und Antikörper-Immunantworten wurden sowohl in Kindern mit Krankheitsprogredienz als auch in PNPs detektiert, wobei diese keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung zeigten. In PNPs beobachteten wir jedoch eine niedrige Expression von CCR5 in langlebigen CD4 T-Zell-Populationen, die mit einer reduzierten Infektion dieser Zellpopulationen mit HIV einherging. Diese verminderte Infektions-Suszeptibilität der langlebigen CD4 T-Zellkompartimente kann zu einer dauerhaften Homöostase normaler CD4 T-Zellzahlen trotz persistierend hoher Viruslasten beitragen.

 

 

Schlussfolgerungen

 

Die Mechanismen, die dem Nicht-Voranschreiten der HIV-Infektion bei Kindern zugrunde liegen, unterscheiden sich von denen bei Erwachsenen. Sie ähneln jenen der natürlichen Wirtstiere von SIV, die sich insbesondere durch eine niedrige systemische Immunaktivierung und eine geringe Suszeptibilität langlebiger CD4 T-Zellen auszeichnen.      

 

 


Autor:

 

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Dr. med. Maximilian Muenchhoff
 
 
 

 

aus connexi  5-2017

AIDS, Hepatitis 2017

Münchner AIDS und Hepatits Werkstatt 2017 und DÖAK 2017

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