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Hypophosphatämie, Transplantatversagen und Mortalität nach Nierentransplantation

von Dr. med. Bernd Winterberg

 

In der Regel kommt es im Verlauf einer chronischen Nierenerkrankung zur Hyperphosphatämie und zu steigenden FGF23- und PTH-Spiegeln. Zusammenhänge zwischen hohen FGF23-Spiegeln und der kardiovaskulären Mortalität sind bekannt. Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation tritt infolge einer restaurierten Nierenfunktion und nur langsam sinkender FGF23- und PTH-Spiegel häufig eine Hypophosphatämie auf, deren Bedeutung für das Transplantat- und Patientenüberleben unklar ist.

 

Spiegelt die Hypophosphatämie eine gute Nierenfunktion wider und ist mit einem verbesserten Transplantatüberleben und einem günstigen kardiovaskulären Outcome verbunden?

 

Oder deutet eine Posttransplantations-Hypophosphatämie auf hohe FGF23- und PTH-Spiegel vor Transplantation hin, welche nach Transplantation nur langsam absinken und so zu einem erhöhten Risiko für Transplantatversagen und kardiovaskuläre Komplikationen beitragen?

 

In einer Longitudinal-Kohortenstudie von van Londen M et al. wird der Zusammenhang zwischen der Posttransplantations-Hypophosphatämie, der Mortalität und dem Transplantatversagen untersucht. Die Kohorte umfasst 957 Nierentransplantatempfänger, die zwischen 1993 und 2008 in der Universitätsklinik Groningen, Niederlande, und einem angeschlossenem Zentrum transplantiert wurden. Es wurden über 28.000 Phosphatmessungen durchgeführt – im Median 27 Messungen pro Patient. Die Inzidenz der Hypophosphatämie betrug 86 %. Es wurde der niedrigste intraindividuelle Phosphatwert des ersten Jahres nach Transplantation ausgewählt. Die primären Ergebnisse waren die Mortalität aus allen Gründen, die kardiovaskuläre Mortalität und das reine Organversagen (ohne Todesfälle).

 

Der niedrigste intraindividuelle Phosphatspiegel betrug im Median 1,58 (1,30–1,95) mg/dl und wurde 33 (21–51) Tage nach Transplantation erreicht. Während des Follow-up (9 [5-12] Jahre) entwickelten 181 Patienten (19 %) ein Transplantatversagen und 295 Patienten (35 %) starben, davon 94 (32 %) aus kardiovaskulärer Ursache. In der multivariablen Cox-Regressionsanalyse war eine ausgeprägtere Hypophosphatämie mit einem geringeren Risiko des reinen Transplantatversagens (volladj. HR 0,61; 95 % CI, 0,43–0,88 pro 1 mg/dl niedrigeres Serumphosphat) und der kardiovaskulären Mortalität (volladj. HR 0,37; 95 % CI, 0,22–0,62) verknüpft, nicht aber mit der nichtkardiovaskulären Mortalität (volladj. HR 1,33; 95 % CI, 0,9–1,96) und auch nicht mit der Mortalität aus allen Ursachen (volladj. HR 1,15; 95 % CI, 0,81–1,61).

 

 

Kommentar

 

In dieser Arbeit zeigen die Autoren, dass das Auftreten einer Hypophosphatämie nach einer erfolgreichen Nierentransplantation mit einem besseren Transplantatüberleben und einem geringeren kardiovaskulären Mortalitätsrisiko verbunden ist verglichen mit den Fällen, bei denen keine Post-Transplantations-Hypophosphatämie auftritt. Für die nichtkardiovaskuläre Mortalität und die Mortalität aus allen Ursachen hingegen gelten diese Relationen nicht.

 

Über die Ätiologie dieser Befunde kann man Vermutungen anstellen: Es könnte mit dem schnellen Rückgang der FGF23- und PTH-Spiegel nach erfolgreicher Nierentransplantation oder direkt mit der Elimination des Phosphats zusammenhängen. Es gehört zu den Limitationen dieser Studie, dass FGF23-Messungen leider nicht und PTH-Messungen nur bei einigen Patienten durchgeführt wurden.

 

 

Fazit

 

Patienten, die nach der Nierentransplantation keine Hypophosphatämie, sondern eine Normo- oder gar Hyperphosphatämie aufweisen, bedürfen hinsichtlich der Nierenfunktion und einer kardiovaskulären Erkrankung nach den Ergebnissen dieser Studie einer erhöhten Aufmerksamkeit.   

 

 

 

Referenz
  1. van Londen M, Aarts BM, Deetman PE et al.; NIGRAM Consortium. Post-transplant hypophosphatemia and the risk of death-censored graft failure and mortality after kidney transplantation. Clin J Am Soc Nephrol 2017; 12(8): 1301–10.
 

Autor:

 

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Dr. med. Bernd Winterberg

b.winterberg@uni-muenster.de

 

 
 
 

 

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aus connexi  1-2018

Nephrologie, Hypertensiologie, Dialyse, Transplantation

DGfN in Mannheim, DTG in Bonn, ESOT in Barcelona

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