The Story Behind® - Hilfe, die schadet

Hilfe, die schadet

 

von Michael Kaplan, Edinburgh

 

Lesen Sie hier die jüngste Geschichte aus unserer Reihe The Story Behind®:

AIDS ist ein Problem der Entwicklung – das ist heute beinahe schon ein Klischee. Die Aussage hat drei miteinander zusammenhängende Bedeutungen: Erstens haben Armut, Analphabetismus und ineffektive öffentliche Gesundheitssysteme maßgeblich zur Ausbreitung der Krankheit beigetragen; zweitens hat die Krankheit die durchschnittliche Lebenserwartung vermindert und dadurch die Entwicklung in ärmeren Ländern verlangsamt; und drittens sind die Methoden zur Eindämmung von AIDS – Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten, Bildung, Überwindung von Stigmatisierung – mindestens ebenso Probleme der Entwicklung wie der Medizin.

Doch es gibt noch eine vierte, geradezu unheimliche Verbindung zwischen AIDS und Entwicklung, und die hat zu tun mit der ursprünglichen Ausbreitung und Mutation des Virus selbst. Dr. Jacques Pépin von der Université de Sherbrooke in Quebec und andere Wissenschaftler haben die Entstehung der Krankheit zurückverfolgt bis zu dem anonymen „Patienten Null“, der sich als Erster mit HIV ansteckte – durch Kontakt mit dem Kadaver eines Schimpansen, irgendwann zwischen 1900 und 1930, irgendwo nordöstlich des Flusses Kongo. Alle Schritte, die zwischen einer einzelnen Infektion in einem dünn besiedelten ländlichen Gebiet und der Ausbreitung einer echten Epidemie lagen, sind eng verbunden mit den wohlmeinenden Versuchen der europäischen Kolonialmächte, die afrikanischen Gebiete ihres Herrschaftsbereichs zu „entwickeln“. Die zunehmende Urbanisierung und der Bau von Eisenbahnen konzentrierte die Bevölkerung unter Bedingungen, die die sexuelle Promiskuität förderten. Verpflichtende Impfprogramme gegen tropische Krankheiten, ausgeführt mit unsterilen oder mangelhaft sterilisierten Injektionsnadeln, führten zu einer raschen Verbreitung von Keimen, die durch das Blut übertragen werden. Möglicherweise hat dies auch die Fähigkeit von HIV-1 noch vergrößert, das menschliche Immunsystem unter seine Kontrolle zu bringen. Und in der Gegend rund um Léopoldville (Kinshasa) und Brazzaville – die auch heute noch die höchste genetische Diversität der unterschiedlichen HIV-Stämme aufweist – behandelten die Kliniken für sexuell übertragbare Krankheiten in den frühen 1950er Jahren hunderttausende von örtlichen Prostituierten und Arbeitsmigranten mit Spritzen, die „zwischen einem Patienten und dem nächsten nur kurz abgespült wurden“.

Und doch: Die Krankheit wurde nicht schon 1955 in Kinshasa entdeckt, sondern erst 1981 in den USA. Auch die Schritte dazwischen sind verbunden mit Entwicklung.

Welche?

 

1. Friedensmissionen und Nahrungsmittelhilfe?

2. Landwirtschaft und Wassermanagement? oder

3. Bildung und Medizin?

 

 

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Autor:

 

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Michael Kaplan

m.s.e.kaplan@btinternet.com

 

 

 

Übersetzung: Dr. med. Friederike Günther
Titelbild: Christoph Erkens
 

aus connexi 6-2015

24. bis 27. Juni 2015

Deutsch-Österreichischer AIDS Kongress DÖAK

Konferenzbericht


 

 
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